Haferbrei für Harte Helden
Die Küche der Wikinger

Die Nordgermanen des frühen Mittelalters - egal, ob man sie nun Wikinger, Normannen oder Waräger nennt - genießen im christlich-abendländischen Geschichtsbild nicht unbedingt den besten Ruf.
Durchaus zu Unrecht: sie waren Bauern, Kaufleute und Krieger - in dieser Reihenfolge! Ihre Handwerker und Künstler leisteten Außergewöhnliches und ihre Gemeinwesen waren im Vergleich zum mitteleuropäischen Feudalismus geradezu demokratisch. Selbst in konservativen Geschichtswerken treten sie eher als Staatengründer und brillante Strategen denn als primitive Schlagetods hervor. Wie viele Runeninschriften auch in bäuerlichen Anwesen bezeugen, gab es unter ihnen weniger Analphabeten als weiter im Süden, wo selbst Könige nicht einmal ihren Namen schreiben konnten.

Sie waren eben nicht die „kulturfernen Barbaren" oder die „blonden Bestien mit Hörnerhelmen" der Germanenhasser.

Nebenbei: Die Wikinger trugen übrigens keine Hörnerhelme. Mit so einer Helmzier kann man nicht kämpfen, und wenn, dann nur einmal! Ein Helm soll Hiebe anlenken, Hörner am Helm hätten einen Schwerthieb zum Kopf hingelenkt. Außerdem hätte ein Schlag auf ein gut befestigtes Helmhorn entweder den Helm vom Kopf gerissen oder das Genick des Trägers gebrochen. Alle gefundenen Hörnerhelme dienten zeremoniellen Zwecken, keiner von ihnen stammte aus der Wikingerzeit.

Steven des Osebergschiffes Noch etwas zum Begriff „Wikinger“: Auf „Wiking gehen“ hieß soviel wie sich auf Handelsreise / Raubzug / Kriegsfahrt / Forschungsexpedition begeben. (Die Übergänge waren fließend.) Ein „Wikinger“ war also ein „Geschäftsreisender“. Aus sprachlicher Bequemlichkeit behalten wir diesen Begriff für die Gesamtbevölkerung bei.

Mit Sicherheit waren die Wikinger aber auch nicht die „nordischen Übermenschen", als die sie ultrarechte Spinner auch heute noch gerne verkaufen. (Für ein „anständiges" Führerprinzip wären sie wohl auch viel zu individualistisch gewesen.)

In einer Hinsicht war das Vorurteil des „barbarischen Nordens" allerdings wohl gerechtfertigt: Am Küchenherd vollbrachten die Wikinger nur selten Heldentaten ...

Dank der Schilderungen aus Sagatexten, die gerne und ausführlich von den Freuden des Lebens berichten, aber auch durch archäologische Funde von ausgegrabenen Nahrungsresten bis hin zu den Mageninhalten von Moorleichen wissen wir recht gut über die Ernährung der frühmittelalterlichen Nordeuropäer Bescheid.

Getreidebrei
Breie und Muse bildeten einen wesentlichen Bestandteil des mittelalterlichen Speisezettels - und die Normannen bildeten da keine Ausnahme.
Im Nordeuropa des frühen Mittelalters baute man vor allem Gerste, Hafer und Roggen, aber nur selten Weizen bzw. Dinkel an, der ein milderes Klima benötigt. Alle diese Getreide - vor allem aber der Hafer - wurden geschrotet und mit Salzwasser zu einer Art Porrige verkocht. Daneben fand Buchweizen (kein Getreide, sondern ein Knöterichgewächs) als „Grützengrundstoff" seinen Eingang in die nordgermanische Küche. In einigen Gegenden Norwegens und Schwedens ist die berüchtigte „Havregröt" noch bis in die Gegenwart hinein Volksnahrungsmittel - der „tägliche Brei" der Wikinger wird kaum schmackhafter gewesen sein.

Der reizlose Brei wurde gelegentlich dadurch verbessert, dass das Getreide vor dem Mahlen geröstet und zuweilen mit Raps- und Leindotter gemischt wurde. Bei festlichen Gelegenheiten und in wohlhabenden Haushalten verbesserten Butter, Sahne oder Dickmilch den Brei, und zuweilen gab es sogar Ansätze, den Getreidebrei mit Nüssen, Kräutern und Trockenfrüchten zu einer Art Müsli aufzuwerten. In schlechten Zeiten griff man aber auch auf wenig schmackhafte „Streckmittel" wie Knöterich, Spörgel, Gänsefuß, Ackerveilchen und ähnlichen, heutigen Landwirten nur noch als Unkräuter bekannte Wildpflanzen zurück.

Brot
Brot wurde aus Roggen- oder Gerstenmehl gebacken, denn Weizenmehl war derart kostbar, dass es nur den „Hochedlen", den Jarls und Königen, vorbehalten blieb. Aus dem Mehl knetete man flache Fladen, die in langstieligen Pfannen gebacken wurden.

Es gibt Autoren, die behaupten, die Nordgermanen hätten weder Hefe noch Sauerteig gekannt. Das ist nicht ganz richtig, es stimmt aber schon, dass Brotfladen im Norden meistens ohne Treibmittel gebacken wurden.
Sauerteig und Hefe wurden im Altertum und im Mittelalter ausschließlich nach dem noch heute bekannten Prinzip des „Ansatzes“ verwendet. Angeflogene Wildhefen und Milchsäurebakterien führen in mindestens 9 von 10 Fällen nicht zu einem aufgegangenem Teig oder gut gegorener Maische, sondern zum Verderb. Geglückte Ansätze wurden weitergegeben, d. h. bei jedem Backen oder Brauen bewahrte man einen Teil des Teiges oder der Maische auf, um sie das nächste Mal zu verwenden. Oft wurden einfach Bier oder Met, in dem noch Hefeflocken schwammen, als Backansatz verwendet.
Wenn der Stammteig oder die Stammmaische abstarb, was bei Kälte leicht passieren konnte, musste man warten, bis einem mit viel Glück ein neuer Ansatz gelang oder man von einem glücklicheren Nachbarn etwas Stammteig abbekommen konnte. In abgelegenen Gegenden mit rauem Klima musste man deshalb oft ohne Hefe und Sauerteig auskommen.
Die Hefe- und Sauerteig-Ansätze waren Wildsorten und entsprechend unberechenbar. Nur selten entwickelten sie genügend Triebkraft, um die schweren Roggen- und Gerstenmehle zu halbwegs lockeren Teigen verarbeiten zu können.

Das Brot, das in etwa dem in Nordwegen und Island noch heute bekanntem „Fladbröd" entspricht, aß man am besten noch ofenwarm, denn später wurde der Brotfladen steinhart.
In mancher Hinsicht war dieses Fladbröd ein Vorläufer des Knäckebrots - das Hartbrot war gut haltbar und eignete sich somit hervorragend als Vorrat für den Winter oder als Schiffsproviant. Relativ oft wurde diesem Brot gemahlene Kiefernborke beigemischt, die jedoch nicht nur ein Streckmittel war, sondern dem Körper auch lebensnotwendige Vitamine zuführte. Der gefürchtete Skorbut, die Geisel der „christlichen Seefahrt", war auch dank dieses Zusatzes im „alten Norden" unbekannt. Gebissschäden waren dafür um so häufiger - die Zähne vieler Wikingerschädel waren auch bei relativ jungen Menschen in ruinösem Zustand, und das obwohl der kariesfördernde raffinierte Zucker noch unbekannt war. Der Grund dafür waren die zahlreichen Gesteinspartikel der steinernen Handmühlen, in denen das Mehl gemahlen wurde. Die weichen Breie setzten sich in dem durch die Steinchen beschädigten Zahnschmelz fest und die Karies fand reiche Beute ...

Milchprodukte
Schon römische Autoren wie Cäsar und Tacitus bescheinigen den Germanen eine hochentwickelte Milchwirtschaft. Das gilt erst recht für den rauen Norden Europas: wo harte Fröste oder häufige Überschwemmungen keinen Ackerbau mehr zuließen, konnten immer noch Kühe, Schafe und Ziegen weiden. Das gilt auch für die sich weiter im Süden infolge von Raubbau ausbreitenden Heideflächen.
Aus der Milch ihrer Herdentiere stellten die Wikinger eine Reihe der auch heute noch üblichen Produkte her: verschiedene Sorten Käse, Butter, Buttermilch, Sahne, Sauermilch, Dickmilch und sogar eine Art Joghurt. Skyr, gesalzene Dickmilch, die sich lange hielt, dürfte zur Bordverpflegung der Wikinger gehört haben.

Gemüse, Gewürze, Kräuter
In den Hausgärten der Bauern im südlichen Teil der Urheimat der Wikinger, also im heutigen Dänemark, Schleswig-Holstein und Südschweden, gedieh eine überraschend große Vielfalt an Gemüsesorten. Kohl, Bohnen, Erbsen, Lauch, Rüben, Zwiebeln, Knoblauch, Kümmel, Senf und eine lange Reihe Küchenkräuter, wie Dill, Kresse oder Petersilie waren bekannt.
Ein spöttischer Archäologe meinte sogar, damals sei die Gemüseversorgung besser gewesen als im modernen Schweden.
Die Legende, dass die meisten Würz- und Arzneikräuter erst über die Klostergärten in den Norden kamen, stimmt nicht! Vieler dieser Kräuter gedeihen auch in Nordeuropa wild. Kräuter und Gemüse mediterraner Herkunft gelangten schon spätestens in römischer Zeit, wahrscheinlich schon eher, durch Handel in das nördliche Europa.
Andere Gewürze, vor allem Pfeffer, wurden durch den ausgedehnten Fernhandel beschafft, waren entsprechend teuer, und fanden sich aber wohl nur auf den Tellern der Wohlhabenden.

In Norwegen, den Inseln des Nordatlantik oder in Island und Grönland wuchsen nur noch wenige Gemüsepflanze - man führte hierher getrocknete Hülsenfrüchte aus milderen Gegenden ein. Auch in milderen Gegenden ergänzten Wildpflanzen wie Sauerampfer und Löwenzahn den Speiseplan.

Allerdings wurde diese auch aus heutiger Sicht wertvolle Kost durch die Kochmethoden der Wikinger eher verdorben als zubereitet, denn alles und jedes wurde stundenlang im Kochkessel zerkocht. Später, im hohen Mittelalter, war das Zermusen und Zerkochen von Lebensmitteln geradezu eine Küchenphilosopie - unser heutiges Wort „Gemüse", d. h. das „Gemuste", „Zu-Mus-Gekochte", zeugt noch von dieser Unsitte. Zur Zeit der Wikingern war es noch nicht ganz so schlimm - aber ein heutiger Feinschmecker würde sich von den meisten Wikingereintöpfen mit Grausen abwenden.

Obst, Beeren, Pilze
Äpfel, Birnen und Pflaumen waren bei den Normannen bekannt und geschätzt, und so wurden überall, wo es das Klima zuließ, Obstbäume gepflanzt. Da das Mittelalter nach 900 ein Klimaoptimum erlebte, gediehen selbst relativ weit im Norden Äpfelbäume und Haselnusssträucher. Gerade auf dem Gebiet der Apfelzucht machten nordländische Obstbauern gute Fortschritte - angeblich wurde der Apfelanbau in der Normandie und im Niederelbegebiet von den Normannen begründet. Das Wappen der aus Edda und Nibelungenlied bekannten Wälsunger zeigte einen Apfel!
In den Gärten der Nordgermanen wuchs außerdem Beerenobst, wie schwarze und rote Johannisbeeren, Himbeeren und Brombeeren. Wildfrüchte und Beeren aus den Wäldern ergänzten im Sommer den Speiseplan.
Pilze wurden gerne gesammelt und zwar nicht nur als Nahrungsmittel: Die Sagatexte weisen auf den Gebrauch halluzinogener Pilze, wie dem Fliegenpilz und verschiedener Arten der Gattung Psilocybe als Rauschmittel hin. Pilze und Beeren wurden, wie das Kulturobst, auch als Winter- und Schiffsproviant gedörrt.

Fisch
Bodenfunde von Fischgräten und von Netzen, Reusen und Angeln weisen darauf hin, dass die fischreichen Gewässer Nordeuropas schon damals intensiv befischt wurden. Allerdings wurde die Fischküche in den Sagas nur wenig gewürdigt. Das lag wohl daran, dass der Fisch zu alltäglich und gewöhnlich war, um in Heldengedichten besungen zu werden.
Fische wurden gekocht, gebraten oder an langen Eisengabeln geröstet und gegrillt. Fund im norwegischen Sogn deuten darauf hin, dass Fisch und Fleisch auch in Lehmpackungen zwischen heißen Steinen gegart wurden. Fische wurde im Gegensatz zum späten Mittelalter nur selten durch Einsalzen konserviert - Salz wurde durch das Verdampfen von Meerwasser gewonnen; ein aufwendiges und wenig ergiebiges Verfahren, weshalb es vergleichsweise teuer war. Die gängigste „Fischkonserve" war der luftgetrocknete Stockfisch, der auch exportiert wurde.

Fleisch
In den Sagatexten werden oft Fleischspeisen erwähnt. Daraus darf man keineswegs schließen, dass die Wikinger große Fleischesser gewesen wären. Im Gegenteil: reichlich gutes Fleisch war etwas Besonderes, das deshalb auch besonders gewürdigt wurde. Da man dem Fleisch kraft- und mutfördernde Eigenschaften zuschrieb, achteten Schiffs- und Truppenführer stets darauf, dass ihre Leute ausreichend Fleisch bekamen, das man sich gegebenenfalls durch Raub beschaffte. Das Vieh wurde wegen seiner Arbeitskraft, wegen seiner Wolle oder seiner Milch gehalten und nur bei besonderen Anlässen geschlachtet, allenfalls die Schweine waren allein zum Verzehr bestimmt. Geschlachtet wurden die Schweine und das Geflügel wie im späteren Mittelalter vor allem im „Blutmond“, dem November, dann waren die Tiere am bestem im Fleisch und brauchten geräuchert oder getrocknet den Winter über kein Futter.
Die Jagd hatte eine relativ große Bedeutung, sowohl als gesellschaftliches Ereignis wie zur Nahrungsergänzung. In allen Kulturschichten der Wikingerzeit finden sich Knochen von Wildtieren.
Fleisch wurde wie Fisch gegrillt, gekocht oder gebraten. Konserviert wurde das Fleisch durch Einsalzen d. h. Pökeln, durch Trocknen oder durch Räuchern.

GETRÄNKE
Im Alltag tranken die Wikinger vor allem Milch und Wasser. Trotzdem ist das Klischee vom „trinkfreudigen Wikingerkrieger" nicht ganz falsch.

Bier
Die Nordländer brauten ihr Bier aus Gerste, hin und wieder auch aus Hafer. Als Bitterstoff wurde bereits Hopfen verwendet, wie Funde aus Haithabu und Graveney bezeugen. Da der Hopfen zum größten Teil aus milderen Landstrichen eingeführt werden musste, wurden auch Wegewartenwurzel und Schafgabe zum Würzen verwendet. In Mitteleuropa wurde auch Bilsenkraut zu diesem Zweck gebraucht, vielleicht war das auch im Norden der Fall. Bilsen-Bier ist eine starke, halluzinogene und enthemmende Rauschdroge.

Trinkhorn Es waren schon mehrere Biersorten bekannt. Für den täglichen Verzehr wurde Dünnbier gebraut, das, da es sich in Fässern besser hielt als Frischwasser, in großen Mengen als Schiffsproviant diente. Dieses Dünnbier wurde auch gerne zum Kochen verwendet.
Für festliche Gelegenheiten gab es natürlich auch Starkbier. Die obergärigen Normannenbiere gab es als helle und als dunkle altbierähnliche Sorten, sowohl süffig wie herb, wobei sehr starke Biere das höchste Prestige genossen. „Je größer der Herr, desto stärker sein Bier", galt aus Faustregel der nordgermanischen Seefahrer.
Wenn sich die Gelegenheit ergab, war der Bierkonsum der Wikinger maßlos. Der Höhepunkt eines typischen Normannenfestes scheint der allgemeine Vollrausch gewesen zu sein, dem auch kultische Bedeutung zukam. Eine Eigenart der Wikinger war es war, das Bier - wie andere alkoholische Getränke - oft erwärmt zu trinken.

Obstweine
Weintrauben von einigermaßen brauchbarer Qualität gediehen in der Heimat der Normannen nicht. Wein war deshalb - anders als in Mitteleuropa - ein Luxusgetränk. Dafür verstand man sich im Norden auf die Kunst der Obstweingewinnung.
Apfelwein, der in etwa dem moussierendem Cidre entsprach, und Johannisbeerwein (im Schwedischen heißt die rote Johannisbeere noch heute „Vinbär"!) waren die gängigsten Obstweine, die oft erhitzt und gewürzt getrunken wurden. Als die Kunst des Destillierens im Norden bekannt wurde, gehörten Obstschnäpse zu den ersten „heimischen Spirituosen".

Met
Met (Mjöd) gilt als „das" Wikingergetränk schlechthin - nicht ganz zu recht, denn Met wurde schon zur Bronzezeit aus vergorenem Honig gewonnen. Er war bei den Kelten sehr beliebt und sogar den alten Griechen („Methys") bekannt.

Darüber, wie oft Met genossen wurde, gibt es unterschiedliche Angaben. Wolfram zu Mondfeld z. B. meint, er sei eher selten gewesen, da lediglich der Honig von Waldbienen zur Verfügung stand. Andere Autoren meinen dagegen, dass schließlich schon der griechische Forschungsreisende Phytheas die Bienenzucht in Nordeuropa bezeugen würde - und warum sollten ihre Nachkommen diese Kunst verlernt haben? Bei den Kelten Mitteleuropas ist eine systematische Imkerei inzwischen nachgewiesen, wann und in welchem Umfang sie sich im Norden verbreitete, ist mir nicht bekannt.
Neuere archäologische Funde legen nahe, dass zumindest wohlhabende Kreise sich öfter mal ein Trickhorn Met leisten konnten - wenngleich seltener, als das Klischee den Wikingern nachsagt. Met wurde meistens warm getrunken.

Greife

Einige Rezepte:
(Wenn nicht anders angegeben für 4 Portionen)

Haferbrei (Havregröt)
1 Liter Wasser
Prise Salz
125 g Haferschrot bzw. Haferflocken
½ Liter Skyr (Gesalzene Dickmilch)

Das gesalzene Wasser aufkochen lassen, den Hafer hinzugeben. Ca. 20 – 25 Minuten köcheln lassen, dabei gelegentlich umrühren. In Schüsseln mit dem Skyr anrichten.

Buchweizengrütze
1 l Milch
Prise Salz
125 g Buchweizen
20 g Butter
Honig

Den Buchweizen mit heißem Wasser abspülen. Die Milch mit dem Salz aufkochen lassen, den Buchweizen dazu geben.
Ca. 20 - 25 Minuten köcheln lassen, dabei ständig rühren, da die Grütze schnell ansetzt. In Schüsseln anrichten und in die Mitte jeweils einen Klacks Butter und Honig geben.
Dies ist natürlich die edle Variante, meistens wurde die Grütze mit Wasser oder nur mit verdünnter Milch zubereitet. Buchweizengrütze sättigt stark.

Fladbröd (Fladenbrot)
Zutaten für 8 Brote
450 g Roggenvollkornmehl
1 Teel. Salz
50 g Butter
20 g Hefe
275 ml lauwarmes Wasser
75 g Weizenkleie

Hier die Variante mit Hefe, die für heutige Verhältnisse genießbarer ist. Außerdem setzen wir statt der historisch getreuen Birkenrinde oder Kiefernborke Weizenkleie bei.
Die Hefe mit etwas Wasser glatt rühren, das restliche Wasser hinzugeben und mit dem Mehl zu einem glatten Teig verarbeiten. Die Weizenkleie nach und nach dazugeben. Den Teig für ca. 5 Minuten gut durchkneten. Dann den Teig in 8 ungefähr gleich große Stücke teilen und zu runden Fladen ausrollen..
Eine große Pfanne fetten, den Fladen in die Pfanne geben und mehrfach mit dem Messer einstechen. Nun den Fladen unter mehrfachem Wenden in der Pfanne ausbacken. Das dauert, je nach Teigdicke, zwischen 10 bis 20 Minuten pro Brot. Das Brot kann auch auf dem Backblech im Backofen gebacken werden, dann entfällt das Wenden.
Warm serviert schmeckt das Brot am besten. Zum kalt essen eignen sich dünne Fladen am besten, denn das Brot wird abgekühlt ziemlich zäh und schnell hart, ist dann aber lange haltbar. Geschmacklich etwa mit Knäckebrot vergleichbar.

Lauchsuppe
1000 g Lauch (in 2 cm lange Stücke geschnitten),
1 ¼ l Fleischbrühe (an besten selbstgemacht)
Salz
Pfeffer
2 Eier
1/8 l Sahne
2 bis 3 TL Petersilie (fein gehackt)

Lauch in der Fleischbrühe weichkochen, mit Salz und Pfeffer abschmecken, Eier und Sahne in die Suppe einrühren, mit Petersilie bestreuen.

Kohltopf
1000 g Weißkohl (gehobelt)
250 g säuerliche Äpfel (in feine Scheiben geschnitten)
Pfeffer
Kümmel
½ l Skyr (Dickmilch mit Salz), 2 EL Butter

In einer feuerfesten Form Butter zerlassen, Weißkohl mit Kümmel und Pfeffer, Apfelscheiben und Dickmilch schichten und bei mittlerer Hitze im Ofen etwa 1 Stunde weichkochen.

Zwiebelsuppe
6 mittelgroße Zwiebeln (in Ringe geschnitten)
40 g Butter
40 g Mehl
1 ½ l Fleischbrühe
Pfeffer, Salz
3 bis 5 Knoblauchzehen (zerdrückt)

Zwiebeln in der Butter glasig werden lassen, Mehl zugeben und Zwiebeln goldgelb rösten, mit Fleischbrühe aufgießen, mit Pfeffer und Salz abschmecken, alles kurz durchkochen lassen.

Eine besondere „diagnostische" Verwendung dieser Suppe ist aus Sagas überliefert: Dort wird berichtet, dass Kriegern, die Unterleibsverletzungen erlitten hatten, Zwiebelsuppe eingeflößt wurde. Wenn dann der Wunde anschließend Zwiebelgeruch entströmte, wusste man, dass Magen oder Darm ernsthaft verletzt waren und somit jede weitere Hilfe vergebens war.

Glasiertes Wurzelgemüse
1 Kohlrübe (auch bekannt als Steckrübe)
2-3 Karotten
1 Stange Lauch
Butter
Honig (Menge nach Geschmack)
Salz, Pfeffer

Das Gemüse putzen und klein schneiden. In leicht gesalzenem Wasser ca. 5 Min. lang kochen und dann abgießen. Den Lauch noch nicht hinzufügen!
Dann das vorgegarte Gemüse in der Pfanne mit etwas Butter dünsten, bis es weich ist.
Kurz vor Ende der Garzeit den Lauch dazu geben und bräunen. Jetzt den Honig unterrühren und mit Salz und Pfeffer würzen. Das Gemüse ist fertig, wenn der Honig schön gebräunt ist.
Das Wurzelgemüse passt zu Lachs und geschmortem oder gegrilltem Fleisch.

Pökelhering gebraten
1 kg frischer Hering, ganz
Salz
Butter
Thymian

Heringe ausnehmen (oder fertig ausgenomme „grüne Heringe“ kaufen). Die Heringe gründlich Waschen und abtropfen lassen. Dann mit dem Salz bestreuen und gut zwei Stunden durchziehen lassen. Heringe auf Stöckchen spießen und acht Stunden zum Trocknen in die Sonne hängen. (Eher weniger, auch Fliegen mögen Fisch!) Nachdem der Fisch gut durchgesalzen und getrocknet ist, von innen und außen mit Thymian einreiben und in der Pfanne mit der Butter goldbraun braten.
Obwohl das Pökeln und Trocknen eigentlich der Konservierung dient, schmeckt der Hering direkt nach dem Trocknen gebraten am besten.

Lachs mit Wacholderbutter
4 Lachssteaks ca. 2cm dick
50 g Butter
6 Wachholderbeeren (zerdrückt)
1 TL. Salz
50 g Schnittlauch

Die Wachholderbeeren, den gehackten Schnittlauch, Salz und Butter miteinander vermengen. Den Lachs trockentupfen und auf einem Grillrost oder in einer Pfanne Goldbraun rösten. Die Wacholderbutter über den Lachssteacks zerlaufen lassen.
Als Beilage eigneen sich glasiertes Wurzelgemüse und Brot,

Lachs galt in Skandinavien bis in die Neuzeit hinein als „Armeleuteessen“.

Får i kål - Hammel und Kohltopf
750 g Schaf- oder Hammelfleisch (gebrüht, gewürfelt)
500 g Zwiebeln (in Scheiben geschnitten)
750 g Weißkohl (gebrüht, in Achtelstücke geschnitten)
Salz
10 Pfefferkörner
10 g Mehl
Wasser
1 EL
Petersilie (fein gehackt)

Fleisch, Zwiebeln und Kohl lagenweise in einem Topf schichten, Pfefferkörner jeweils auf das Fleisch, mit Kohl abschließen, mit Salz bestreuen, Topf zu zwei Dritteln mit Wasser füllen, in gut geschlossenem Topf 2 Stunden lang bei mäßiger Hitze schmoren. Aus Mehl und einer halben Tasse Wasser einen Brei anrühren, am Schluss zugeben. Gericht durchschütteln und mit Petersilie bestreuen. Dieses bis heute in Norwegen beliebte Gericht schmeckt nach mehrmaligen Aufwärmen am Besten.

Får i kål gilt als ausgesprochenes „Wikingerrezept", auch wenn die Behauptung, dass es von dem berühmt-berüchtigten „nordischen Achill" Olav Tryggvasson (um 1000) stamme, wohl nur Legende ist.

Wildfleischpfeffer
1000 g Rentier-, Elch- oder Hirschfleisch (Keule, in mundgerechte Stücke geschnitten)
150 g geräucherter Speck (gewürfelt)
Salz
1 l Bier
Pfeffer
1 Msp. Nelke (gemahlen)
1 kleine Stange Zimt
50 g Butter
3 EL Mehl
1 Glas Obstschnaps (Apfel, Kirsche, Pflaume)

In einer Kasserolle Speck anbraten, Fleisch zugeben, würzen, unter ständigem Rühren leicht bräunen lassen, mit Bier aufgießen. Abgedeckt bei guter Hitze im Ofen etwas 1 ½ Stunden lang garen lassen. Butter in einer Pfanne zergehen lassen, Mehl zugeben und bräunen lassen, unter ständigen Rühren dem Wildfleischpfeffer zufügen und alles ein paar Minuten kochen lassen, abschließend Obstschnaps zugeben.

Dieses Gericht passt vor allem wegen des Obstschnapses eigentlich nicht ganz in die Wikingerzeit, ist aber typisch für die „feine Küche“ Nordeuropas im Mittelalter.
Typisch auch schon in Wikingertagen ist die Verwendung teurer, von weither importierter, Gewürze, mit denen der Gastgeber seinen Reichtum demonstrieren konnte. Im späten Mittelalter führte das zu wahren Gewürzexzessen, die Speisen auf reichen Gastmalen wurden bis zur Unkenntlichkeit überwürzt - im Kontrast zur weiterhin reizlosen Alltagskost.

Wikingersiegel
Martin Marheinecke
Ursprüngliche Fassung: Oktober 1998 – Überarbeitete Fassung in Zusammenarbeit mit Lif Vikingdotter (Inger Sveinsson): August 2003

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